Das Thurner Rucks-Kripperla

Die Reste des Thurner Rucks-Kripperla konnten am 20. Nov. 2005 durch den 1. Vors. Edwin Dippacher für den Heimat- und Trachtenverein Heroldsbach vom Eigentümer Benno Schleicher, Untere Hauptstraße erworben werden. Nach umfangreichen Restaurierungen und Ergänzungen durch mehr als 10 eifrige Krippenfreunde konnte die Weihnachtskrippe erstmals am 1. Weihnachtsfesttag 2006 wieder eröffnet werden.

Nach Auskunft des Verkäufers wurde die Krippe das letzte Mal im Wohnhaus von seinem Vater Paul Schleicher noch zu Lebzeiten des Großvaters Georg Schleicher aufgestellt. Der Großvater verstarb am 19.7.1970, sodass die Krippe zur Weihnachtszeit 1969/70 das letzte Mal aufgestellt worden war.

Paul Schleicher warb bei den Bürgern für einen zahlreichen Besuch seiner Krippe. Er war sehr stolz und dachte vielleicht auch ein wenig an die „Zehnerla im Kasten“, welche die bewegten Teile in Gang setzten. Auch ich persönlich kann mich noch an die Kammer in dem alten Bauernhaus mit dem Ruckskripperla erinnern, die meine Mutter mit uns Kindern besucht hatte.

Viele Teile der Krippe stammen lt. Auskunft von Heinrich Neubauer vom 6.12.2005 von einer alten Krippe aus Hausen. Diese Krippe hatte noch keine Bewegungsabläufe, doch alte Figuren, Gebäude und Stallungen. Als der körperbehinderte Eigentümer in Hausen starb, erwarb die Krippe bzw. Teile Georg Schleicher von Thurn, der damit seine Krippe vergrößerte und Geld investierte und die besonderen beweglichen Teile anschaffte. Die Krippe wurde von Georg Schleicher 1932 errichtet und in den Folgejahren immer wieder leicht erweitert bzw. verändert aufgestellt.

Heinrich Neubauer hat mühselig die elektrische Verdrahtung für die Beleuchtung und Spielautomaten in den Jahren nach 1945 vorgenommen.

Die Krippe war als Landschaftskrippe mit felsiger Landschaft, Wald, Wiesen, Einzelhöfen, Dorf, Kirchen, Höhlen, Brücke, Teich um die Geburt Christi in einer Höhle gestaltet. Es beinhaltete ein Viehgatter mit bäuerlichen Tieren aber auch Wildtieren in der Landschaft. Die Hl. Dreikönige mit Gefolge waren ebenso Bestandteil wie die Hochzeit zu Kanaa. Enthalten waren auch bewegliche Figuren und eine Spieluhr und natürlich das „Mohrle“, ein Opferkästchen für afrikanische Mission.

Die in sehr schlechtem Zustand sich befindlichen Krippenteile wurden soweit wie möglich erhalten. Allerdings konnte die von Motten zerfressenen Kleider und einige Holzteile nicht mehr verwendet werden. Sie wurden sowohl in der Gestaltung, Material und Größe nach den Originalteilen ersetzt.

Die holzgeschnitzten Figuren wurden lediglich gereinigt und fehlende Teile (Geweih, Ohr usw.) ergänzt, wobei durchaus Ergänzungen erkennbar sein dürfen.

Die bekleideten Figuren wurden nach den Stoffen und Farben der Originale neu eingekleidet und Hände und Füße aus Wachs als besonders wertvoll wieder verwendet. Leider waren von den Wachsköpfen der Figuren durch Ungeziefer die Haare völlig abgefressen. Mit Echthaar von Perücken wurden diese Teile ergänzt.

In verdienstvoller Weise haben Gerhard Neubauer, Heinrich Neubauer und Erich Geier die Landschaft geschaffen, die Spielautomaten repariert, Kirchen und Gebäude überholt bzw. ergänzt und die elektrischen Anlagen aktualisiert. Ihnen standen hilfreich Andreas und Thomas Gügel, Erich Thomas und Andreas Rascher zur Seite.

Die Kleider der Figuren mit den Details nähten die 2. Vorsitzende Barbara Vortmann und Marita Dippacher. Die vielen holzgeschnitzten Figuren reinigte und ergänzte mit einigen Utensilien der 1. Vorsitzende Edwin Dippacher. Holzschnitzer Manfred Kraus versah einige Figuren mit der Goldauflage und stiftete das Jesuskind.

Der Krippenunterbau wurde völlig neu von Ewald und Stefan Gößwein geschaffen und die Vorhänge von Marita Dippacher genäht.

Für die unzähligen Stunden dieser diffizilen Arbeiten gilt allen Helferinnen und Helfern, die großes Fingerspitzengefühl zeigten, ein herzliches „Vergelt’s Gott“.

Für die Gestaltung des „Thurner Ruckskripperla“ wurde darauf geachtet, möglichst den alten Zustand zu erhalten und die Figuren und Teile zu verwenden. Dass dabei die Landschaft nicht nur fränkisch wirkt oder die Größenverhältnisse zwischen Figuren und Gebäuden nicht maßstabsgetreu sind, ergibt sich aus der Vergangenheit dieser alten „Bauernkrippe“. Sie ist auch über Jahrzehnte entstanden. Die Holzschnitzer der Figuren sind nicht alle bekannt, einzelne Figuren hat Georg Schleicher selbst geschnitzt, doch zweifellos sind auch Figuren des legendären Thurner Holzschnitzers Hans Zeis enthalten. Dies ergibt auch ein Vergleich der kleinen Schafe des Ruckskripperla mit den großen Schafen in der Weihnachtskrippe der Pfarrkirche St. Michael. Insgesamt sind die Figuren auch aus verschiednen Zeitepochen; so sind Schafe aus Gips, Pappkarton, Holz und Stoff vorhanden. Ebenso beinhaltet die Krippe Figuren aus verschiedenen Materialien, bemalt und unbemalt und teilweise mit Stoffen angezogen.

Das Grün im Hintergrund mit dem silbernen Lametta soll auf die frühere Zeit hinweisen, wie es in der Bauernstube war.

Die ältesten Teile dieses Thurner Ruckskripperla sind über 100 Jahre alt. Mögen sich auch viele weitere Generationen, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren an der neugestalteten Weihnachtskrippe erfreuen und den Weihnachtsfrieden erspüren.

 

Gloria in excelsis Deo

und

Friede den Menschen auf Erden

Ergänzung:

Das Thurner Ruckskripperla wurde von 2006 bis zum Jahr 2010 im Kuratenhaus aufgestellt und geöffnet. Seit dem Jahr 2011 befindet sich das Thurner Ruckskripperla nun in dem neu renovierten Gebäude „Alte Post“ am Dorfplatz in Heroldsbach.

Im Jahre 2013 wurde durch Heike Meyer das wunderschöne Wandgemälde im Hintergrund mit Motiven aus Heroldsbach gemalt. Ebenso wurde der Bachlauf mit fließendem Wasser eingebaut und die elektrische Beleuchtung erweitert. Seit 2014 ist die Windmühle beweglich und seit 2015 dreht sich ein fränkisches Wasserrad im Bachlauf.

Die Betreuung der Weihnachtskrippe übernahm Herrmann Vortmann und Gerhard Neubauer, welche mit Andreas Rascher technisch gut unterstützt werden.

Zum Vorweihnachtsmarkt am Dorfplatz und in der Weihnachtszeit wird es für die Öffentlichkeit geöffnet. Gesonderte Besichtigungstermine können auch mit Herrmann Vortmann Tel. 726 oder Edwin Dippacher, Tel. 1254 vereinbart werden.